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Aufruf zur Solidarität
Wir protestieren gegen den offenen Aufruf zur Gewalt gegen Homosexuelle in Polen
„Verprügelt sie mit Knüppeln“, das forderte der Vizevorsitzende der Regierungspartei Liga der polnischen Familien (LPR), Wojciech Wierzejski in der Zeitung Życie Warszawy (11.5.2006), in der darüber berichtet wurde, dass auch in diesem Jahr die „Parada Równości“ (Parade für Gleichberechtigung, oder wörtlich: Parade der Gleichheit) am 10. Juni in Warschau stattfinden soll.
Originalton Wierzejski: „Die Warschauer Behörden dürfen diese Demonstration nicht erlauben. ... Falls die Perversen anfangen zu demonstrieren, sollte man sie mit Knüppeln verprügeln. Im übrigen ist es mir völlig egal, ob irgendwelche Politiker aus Deutschland kommen. Das sind keine ernstzunehmende Politiker, sondern einfach nur Schwule. Wenn die Schwulen ein paar Mal etwas mit dem Knüppel übergezogen bekommen, werden sie ein zweites Mal nicht kommen. Schwule sind doch schon per Definition Feiglinge.“ (zitiert nach Maneo, schwules Anti-Gewalt-Projekt in Berlin: www.maneo.de ). Maneo protestiert und fordert den polnischen Innenminister und die polnische Staatsanwaltschaft auf, Strafanzeige gegen Wierzejski wegen Anstiftung zur Körperverletzung zu stellen.
Wir, die Deutsch-Polnische Gesellschaft Brandenburg e.V. und der Deutsch-Polnische Journalistenclub „Unter Stereo-Typen / Pod Stereo-Typami“ e.V. schließen uns diesem Protest an. Wir verurteilen die zunehmende Einschränkung der Grundrechte von Lesben und Schwulen in Polen und rufen zur Solidarität auf. Wir unterstützen die Parade für Gleichberechtigung am 10. Juni in Warschau.
Als deutsch-polnische Vereine können wir zur Politik der neuen polnischen Regierung, in der auch Platz für unberechenbare Populisten wie Andrzej Lepper und Rechtsradikale wie Roman Giertych ist, nicht schweigen. Wenn wir der in Polen praktizierten Diskriminierung von Andersdenkenden und Anderslebenden nicht entgegentreten, lassen wir sowohl die unmittelbar Betroffenen im Stich, als auch diejenigen, die gegen diese Politik protestieren. Ohne Protest und Solidarität wird es so weiter gehen. Die Dis krimi nierungs ver suche haben bereits ein deutsch-polnisches Projekt am Collegium Polonicum erreicht.
Dort sollen zwei Ausstellungen „Sollen sie uns doch sehen / Niech nas zobaczą“ von Karolina Breguli (als Teil der Kampagne gegen Homophobie in Polen), und „Mein Leben – Meine Entscheidung“ von der polnischen Föderation für Frauen und Familienplanung über Frauenrechte (Recht auf Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, Antibabypille und sexuelle Aufklärung), die im Rahmen eines deutsch-polnischen Pojekts „Kulturelle Hegemonie und Geschlecht / Hegemonia kulturowa i płeć“ seit dem 17.5. gezeigt wird, aus dem Foyer verschwinden. Das verlangt der Rektor der Adam-Mickiewicz-Universtität in Posen. “Das ist Zensur. Noch schlimmer, dass es im universitären Milieu spielt. Es ist darüber hinaus ein nicht zu rechtfertigendes einseitiges Vorgehen der polnischen Seite gegenüber einem deutsch-polnischen wissenschaftlichen Projekt“, so Prof. Bożena Chołuj, die den Workshop zusammen mit Dr. Dorothea Dornhof und der Informellen Gruppe Genda organisiert hat.
Bei den jetzigen Angriffen auf die Grundrechte der Lesben und Schwulen handelt es sich nicht um isolierte Einzelvorfälle. Wir erinnern daran:
dass eine der ersten Entscheidungen des neuen polnischen Premierministers Marcinkiewicz (PiS) die Auflösung des Amtes der „Regierungsbeauftragten für die Gleichstellung von Frauen und Männern“ war. Das verstößt gegen EU-Antidiskriminierungsrichtlinien;
dass der amtierende Präsident Lech Kaczyński die Warschauer Parade für Gleichberechtigung (Parada Równości) bereits in seiner damaligen Funktion als Warschauer Stadtpräsident verboten hat;
dass der Stadtpräsident in Posen den geplanten Marsch für Gleichberechtigung (Marsz Równości) im November 2005 ebenfalls verboten hat. Als trotz Verbot demonstriert wurde, wurden die Teilnehmer von Skinheads und der rechtsradikalen Allpolnischen Jugend (Młodzież Wszechpolska)* agegriffen. „Sie bewarfen die Teilnehmer mit Eiern und Flaschen und riefen Parolen wie „Schwule ins Gas“ und „Wir machen mit euch, was Hitler mit den Juden gemacht hat“. (vgl. Martin Kraft, Polen – nicht alle sind gleich, ai-journal 05/2006).
Bitte unterstützen Sie diesen Protest. Erklären Sie sich solidarisch mit den angegriffenen Lesben und Schwulen in Polen, die im Bündnis mit weiteren Andersdenkenden und Anderslebenden am 10. Juni zur Parade für Gleichberechtigung in Warschau aufrufen. Unterschreiben Sie den Protestbrief der Studentinnen und Studenten am Collegium Polonicum (siehe Anhang). Die Verbannung der zwei Ausstellungen aus dem Foyer des Collegium Polonicum, das nicht nur eine Einrichtung der Posener Adam-Mickiewicz-Universität ist, sondern auch der Europa-Universität-Viadrina, darf nicht stattfinden. Es kann nicht angehen, dass in einer Einrichtung, die mit nicht wenigen EU-Fördermitteln aufgebaut wurde, Diskriminierung Andersdenkender und Anderslebender praktiziert wird.
DPG Brandenburg e.V.
gez. Karl Fisher
(Vorsitzender)
Deutsch-Polnischer Journalistenclub „Unter Stereo-Typen“
gez. Ruth Henning / Dietrich Schröder / Dariusz Barański / Bogdan Twardochleb
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Deutsch-Polnische Gesellschaft Brandenburg e.V.
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