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Polnisch wird zum Grundschulfach

Ab Herbst beginnen die ersten vier Brandenburger Schulen mit dem Unterricht

Von Dietrich Schröder

Frankfurt (Oder) (MOZ) "Dzien Dobry", "Czesc!" und "Do widzenia" - "Guten Tag", "Hallo!" und "Auf Wiedersehen". Diese und viele andere polnische Vokabeln werden ab Herbst

an der Grundschule Mitte und der Evangelischen Grundschule in Frankfurt sowie an zwei Grundschulen in Cottbus und Neuzelle (Oder-Spree) regelmäßig zu hören sein. Die vier Schulen werden den Polnisch-Unterricht künftig als erste in Brandenburg regulär für die unteren
Klassen anbieten. Zwei weitere, eine im uckermärkischen Ringenwalde und eine in der Grenzstadt Guben (Spree-Neiße), testen derzeit noch, ob es genügend Interessenten gibt.

"Damit ist ein historischer Durchbruch gelungen", sagt der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Karl Fisher, ein wenig euphorisch. Doch der Pädagoge, der das Rahn-Gymnasium im Stift Neuzelle leitet, weiß, welche
Mühen zu überwinden waren. Es hat Jahre gedauert, bis man das Brandenburger Bildungsministerium überzeugen konnte, die Sprache des Nachbarlandes parallel zum Englisch-Unterricht bereits an den Grundschulen zuzulassen.

Bisher galt das Prinzip, wonach nur jeweils eine Fremdsprache als Begegnungssprache ab Klasse 1 sowie als Drei-Stunden-Fach ab Klasse 3 angeboten werden konnte. "Dass man nur die Wahl zwischen Englisch und
Polnisch hatte, hielt viele Schulen und vor allem auch viele Eltern davon ab, sich für Polnisch zu entscheiden", erläutert Wiebke Tetzlaff. Die Leiterin der "Grundschule Mitte" in Frankfurt hat sich stark dafür eingesetzt, dass ihre Einrichtung an dem Modellversuch beteiligt wird, bei dem nun jeweils beide Sprachen als Begegnungssprachen ab der ersten Klasse
und als Unterricht ab Klasse 3 möglich werden.

Die Schule ist über das Projekt "Spotkanie", in dem Polnisch als Arbeitsgemeinschaft angeboten wird, ohnehin mit zwei Grundschulen in Slubice und Rzepin verbunden. "Da hat es schon viele Begegnungen gegeben, die wir
künftig auf noch besserem sprachlichen Niveau fortsetzen wollen", sagt die Pädagogin. Sie findet es normal, "dass man sich für die Sprache der Nachbarn interessiert, wo wir so nah an der Grenze leben". Erstaunt sei sie aber doch
gewesen, dass sich allein an ihrer Schule 18 Eltern von Kindern aus den künftigen dritten Klassen und sogar 30 Eltern von den Schulanfängern für das Angebot interessiert haben.

"Wir begrüßen das Interesse der Schulen, weil es sich um eine vorausschauende Maßnahme für die Entwicklung der Schüler handelt", kommentiert das Bildungsministerium die Neuerung. Das Bemühen, Polnisch in grenznahen Orten künftig von der ersten Klasse bis zum Abitur anzubieten, werde mit zusätzlichen Lehrerstunden unterstützt.

Eine von der Deutsch-Polnischen-Gesellschaft gebildete Arbeitsgruppe will jetzt noch zusätzliches Lehrmaterial erarbeiten. Denn das bisher vorliegende Lehrheft und die Begleit-CD waren eigentlich nur für das spielerische
Erlernen der Sprache vorgesehen.