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KOMMENTAR: Rafal Pankowski
Verein "Nigdy wiecej"
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Dieser Kommentar wird kurz. Es fällt mir
ausgesprochen schwer, etwas gegen Szymon Rudnicki vorzubringen, denn
ich stimme mit allen seinen Ausführungen überein. Wichtig ist vor
allem zu wissen, daß er einer von ganz wenigen polnischen
Historikern ist, die öffentlich schreiben, daß das nationalradikale
Lager und alle Splittergruppen der nationalradikalen Bewegung in der
Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg eine polnische Version des deutschen
Faschismus waren. Die meisten Leuten, die sich mit diesem Thema
befassen, vermeiden eine solche Klarstellung. Das war so zu Zeiten
des Kommunismus und ist auch heute noch so. Rudnicki weiß selber am
besten, wie schwierig es war, zu kommunistischen Zeiten über den
polnischen Faschismus zu schreiben. |
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Heute ist es zwar einfacher, insoweit es die
Geschichte betrifft, aber wenn es um die Gegenwart, um den
Neofaschismus geht, ist es bedeutend schwieriger. Insbesondere in
den Medien besteht eine große Abneigung, dieses Thema anzusprechen -
das gilt auch für die liberalen Medien. Rudnicki hat über den
politischen Einfluß der Christlich-Nationalen Vereinigung (ZChN),
der wichtigsten nationalkonservativen Partei in Polen gesprochen.
Die Partei ist Teil des Wahlbündnisses Solidarnosc (AWS) und sitzt
im Parlament. Es wurde jedoch nicht erwähnt, daß diese Partei auch
eine sehr wichtige Rolle in der polnischen Regierung spielt. Sie
stellt einige Minister. Einer dieser Minister war bis vor kurzem
Ryszard Czarnecki, der in seiner Funktion als zuständiger Minister
für die europäische Integration Gianfranco Fini nach Polen
eingeladen hat. Wenn wir den Einfluß der Gruppen beurteilen wollen,
die sich auf die eine oder andere Art und Weise auf
nationaldemokratische Vorkriegstraditionen berufen, müssen wir immer
daran erinnern, daß dieser Einfluß auf den höchsten
regierungsamtlichen Ebenen wirksam ist. Wenn es um die
Sejmresolution zu Ehren Roman Dmowskis geht, so muß man festhalten,
daß nicht nur die Rechte und das Zentrum für diese Resolution
stimmten, sondern daß es ein fast einstimmiges Ergebnis gab. Die
Leitungen fast aller Sejmfraktionen - auch der linken -
unterstützten die Resolution zu Ehren Roman Dmowskis.
Interessanterweise fand sich im Resolutionstext kein Wort über die
antisemitische Einstellung dieses Politikers. In der nächsten Nummer
unserer Zeitschrift werden wir einige Teile des Sitzungsprotokolls
zu dieser Resolution, die von der Christlich-Nationalen Vereinigung
initiiert wurde, abdrucken. Dort finden sich ziemlich
aussagekräftige Zitate von bedeutenden polnischen Politikern, die
über die historischen Vorzüge und Verdienste Roman Dmowskis geradezu
in Verzückung geraten. Natürlich will ich damit nicht sagen, daß
diese nicht unbedeutenden Politiker - wie zum Beispiel Józef Oleksy
(SLD) oder Andrzej Wielowieyski (Freiheitsunion) - sich mit allen
Ansichten Roman Dmowskis identifizieren, aber es ist doch sehr
charakteristisch, daß sie alle überhaupt eine solche Resolution
unterstützten und keinerlei Einwände gegen die Formulierungen des
Textes äußerten |
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Eine weitere Ergänzung betrifft das Erbe der
Gruppe PAX unter Boleslaw Piasecki, die als eine nationalistische
Gruppierung nach dem Krieg mit den Kommunisten zusammenarbeitete.
Diese Gruppe ist zwar zur Zeit nicht in der Politik aktiv, aber sie
existiert - wenn auch zahlenmäßig schwach - unter dem neuen Namen
Civitas Christiana weiter. Sie ist
insoweit in der rechtsextremistischen Szene von Bedeutung, als sie
noch immer über eine sehr starke ökonomische Basis verfügt. Diese
Gruppe konnte zu kommunistischen Zeiten als eine von sehr wenigen
Vereinigungen dieser Art einer halbprivaten Betätigung nachgehen, so
zum Beispiel der Produktion von Buchleim, Kugelschreibern und
anderen Produkten dieser Art. Diese ökonomische Basis existiert auch
heute noch, die Organisation besitzt große Gebäude in den Zentren
polnischer Städte. In diesen Gebäuden treffen sich dann häufig
Gruppierungen wie zum Beispiel die Allpolnische Jugend. Diese
Räumlichkeiten ermöglichen ihnen erst ein Zusammenkommen. Es ist
wichtig, dies hinzuzufügen, wenn es um das Erbe des
nationalradikalen Lagers aus der Vorkriegszeit geht, denn es
existiert eben auch ein materielles Erbe. Was die Vereinigung
Nationale Wiedergeburt Polens (NOP) betrifft, habe ich nicht viel
hinzuzufügen, da bereits ausführlich über den Charakter dieser
Gruppe gesprochen wurde. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß diese
Gruppe eine Zeitlang Mitglied der Christlich-Nationalen Vereinigung
war. Dies ist heute nicht mehr der Fall, aber in der Vergangenheit
bestand diese Mitgliedschaft. |
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Helga Hirsch
freie Journalistin
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es eine juristische Grundlage, mittels derer man
gegen antisemitische Flugblätter, Zeitschriften und rechtsgerichtete
Parteien bzw. gegen solche Vorfälle, die sich zur Zeit auf dem
Kiesplatz vor dem Konzentrationslager Auschwitz abspielen, vorgehen
könnte? Wenn eine solche juristische Grundlage nicht existiert, gibt
es zumindest Vorbereitungen zu einem solchen Gesetz? |
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Dietrich Schröder
Märkische Oderzeitung
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hatten erwähnt, daß es eine parlamentarische
Anfrage von Jacek Kuron gegeben hat bezüglich der Ermordung von
Menschen durch Mitglieder dieser rechten Parteien. Es erstaunt mich
sehr, zu hören, die Medien hätten das nicht weiter aufgegriffen.
Könnten Sie dazu noch etwas sagen? |
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Przemyslaw Konopka
Zycie
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mir im Referat fehlte, war die Charakterisierung
der Relevanz dieser Erscheinungen. Ich möchte Sie daher bitten,
einige Ausführungen zur Anzahl der Mitglieder, Sympathisanten, zum
zahlenmäßigen Potential dieser extremistischen Organisationen in
Polen zu machen. Da ich es bedaure, daß im Rahmen dieser Konferenz
nicht über den Antisemitismus der Polnischen Vereinigten
Arbeiterpartei (PVAP) gesprochen werden wird, möchte ich Szymon
Rudnicki bitten, an dieser Stelle einige Ausführungen zu den
Phänomenen Antisemitismus und Nationalismus im Rahmen der polnischen
Linken zu machen. |
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Lukasz Galecki
Polnisches Institut Leipzig
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ich möchte darum bitten, Ausführungen zum
zahlenmäßigen Potential dieser Gruppierungen zu machen. Es ist
sicher für die deutschen Teilnehmer interessant zu erfahren, aus
welchen Bevölkerungsgruppen sich die Wähler der
Christlich-Nationalen Vereinigung rekrutieren. Welche
gesellschaftliche Unterstützung gibt es für diese radikalen Gruppen?
Welches gesellschaftliche Potential ist von diesen Gruppen
ansprechbar? |
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Jacek Lepiarz
dpa
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Ich möchte mich meinen beiden Vorrednern
anschließen. Ich habe gewisse Vorbehalte gegenüber dem Vortrag, da
er sich zu stark auf bestimmte Organisationen wie zum Beispiel auf
die von Bryczkowski konzentriert hat. Diese Organisationen sind eine
absolute Randerscheinung; sie stellen eher einen Fall für den
Psychiater als für Politologen oder Soziologen dar. Es wäre hingegen
interessant, das Phänomen zu erklären, warum so viele Menschen in
Polen, denen es schlecht geht, wie etwa den Arbeitslosen oder den
Rentnern, sich für Opfer der Politik von Leszek Balcerowicz halten.
Nicht weil sie meinen, er sei ein schlechter ökonom, sondern weil
sie glauben, er sei ein Jude und trage deshalb zum Nachteil bzw. zum
Ruin des polnischen Staates und ihrer persönlichen Situation bei.
Das ist meiner Meinung nach ein viel interessanteres Phänomen als
die Beschäftigung mit dem Parteiprogramm der Gruppierung von
Bryczkowski. |
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Hans-Otto Bräutigam
Minister für Justiz und Europaangelegenheiten
Brandenburg (a.D.)
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Für einen deutschen Zuhörer, der die
innenpolitische Situation Polens nicht genau kennt, ist der
überblick über die rechtsextremistischen Gruppen in Polen
einigermaßen verwirrend. Die meisten deutschen Zuhörer haben
vielleicht überhaupt zum ersten Mal konkret etwas darüber gehört.
Mich würde interessieren, wie denn das politische Gewicht und der
politische Einfluß dieser Gruppen ist? Sind es Randgruppen, die
teilweise in der Vergangenheit leben? Wie weit reicht der Einfluß
dieser Gruppen in die Gesellschaft hinein? Wie ernst ist dieses
Phänomen zu nehmen? Manches wirkt ja doch, als sei es sehr weit
entfernt von der gegenwärtigen Realität. |
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Pawel Spiewak
Institut für Soziologie, Universität
Warschau
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Ich stimme mit der Mehrzahl der Thesen von
Szymon Rudnicki überein, aber mich würde interessieren, bis zu
welchem Grad die von Piotr Ikonowicz geführte PPS (Polnische
Sozialistische Partei) nicht manchmal vielleicht in noch radikalerer
Weise als etwa die Republikanische Liga zur Verbreitung eines
gewalttätigen politischen Klimas in Polen beiträgt. Ich denke dabei
an zwei Dinge. An physische Attacken auf Menschen mit anderen
politischen Einstellungen (was auf einem polnischen Flughafen
vorgekommen ist) sowie an die offene, aktive Unterstützung einer
Politik, die klassisch populistisch, ich würde sogar sagen
faschistisch ist, wie die von Andrzej Lepper, der mit der PPS
zusammenarbeitet. Es geht mir sozusagen um eine Beurteilung der
Unterschiede zwischen der Republikanischen Liga und der PPS. |
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Meine zweite Frage bezieht sich auf die Aussage,
die Einladung eines Neofaschisten wie etwa Fini nach Polen sei etwas
Unanständiges. Würden Sie denn die Einladung eines Postkommunisten
ähnlich beurteilen? |
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Szymon Rudnicki
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Ich werde ich nicht in der Lage sein, alle
Fragen in befriedigender Weise zu beantworten. Das gilt vor allem
für die rechtlichen Fragen, z.B. ob es in Polen ein Gesetz gibt, das
rechtsextreme Publikationen verbietet. Ja es gibt ein solches
Gesetz, aber in Polen werden aus den unterschiedlichsten Gründen
viele Gesetze nicht angewandt. Unter uns hier ist Stanislaw
Podemski, ein Spezialist für Rechtsfragen. Er wird morgen speziell
zu diesem Thema sprechen und ist ein viel kompetenterer
Gesprächspartner als ich. |
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Zur Anfrage von Jacek Kuron. Ich muß zugeben,
daß ich schockiert war, als ich die von ihm vorgelegte Liste mit
Opfern rechtsextremer Gewalt las. Es ist interessant, daß diese
Anfrage in der Presse mit völligem Schweigen übergangen wurde; es
gab keinerlei Stellungnahmen dazu, ob die Ausführungen Kurons den
Tatsachen entsprechen oder nicht. Ich weiß selber nicht, ob die drei
genannten rechtsextremen Gruppen die genannte Anzahl von Menschen
ermordet haben. Bekannt ist allerdings - darüber wurde in der Presse
breit berichtet, daß einige junge Leute aus der Gruppe von
Bryczkowski Obdachlose in dem nahe Warschau gelegenen Ort Legionów
im Rahmen einer sog. Aktion zur Säuberung der Stadt totgeschlagen
haben. Die anderen Fällen sind mir persönlich nicht bekannt. Hier
kann sicher Rafal Pankowski besser Auskunft geben, da seine
Zeitschrift diese Vorgänge genau verfolgt. In der allgemein
zugänglichen Presse habe ich auf jeden Fall zu diesem Thema nichts
gefunden. |
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Mehrere Redner haben nach dem gesellschaftlichen
Einfluß dieser Bewegungen und Organisationen gefragt. Ich würde
sagen, er ist zur Zeit nicht besonders groß. Wenn man die
Demonstrationen etwa von NOP in einigen Städten verfolgt, sieht man,
daß sich dazu nur einige Dutzend Menschen zusammenfinden. Man
vermutet, daß diese Gruppierung insgesamt einige hundert Mitglieder
hat. Landesweit gesehen ist das keine große Gruppe. Sie sollte
eigentlich in der Politik keine bedeutende Rolle spielen. Aber für
mich zählt nicht so sehr die Größe dieser Gruppe, sondern die
Tatsache, daß es eine Zustimmung zu deren Aktivitäten gibt, bzw. daß
sie toleriert werden. Auf der rechten Seite des politischen
Spektrums gibt es Vereinigungen, die bereit sind, mit diesen
Radikalen zusammenzuarbeiten, die sie wie eine normale politische
Gruppierung behandeln, die man zu Demonstrationen einladen und mit
denen man gemeinsam öffentliche Auftritte organisieren kann. Das ist
für mich sehr viel bedrohlicher als die eigentliche Existenz und der
zahlenmäßige Umfang dieser Gruppe. Damit behaupte ich noch nicht,
daß dies eine ernstzunehmende Gefahr ist. Es würde mir nicht in den
Sinn kommen zu behaupten, die Demokratie in Polen werde durch diese
Gruppe zur Zeit ernsthaft bedroht. Natürlich stimme ich mit Jacek
Lepiarz überein, daß dies alles eher ein Fall für den Psychiater
ist, aber ich erinnere auch daran, daß in der Zeit zwischen den
beiden Weltkriegen sehr viele Politiker des National-Radikalen
Lagers, die eine wichtigere Rolle spielten als heute, zum Psychiater
geschickt wurden. Was daraus im Zuge der anwachsenden
Wirtschaftskrise wurde, wissen wir alle sehr genau. Wissen wir denn,
was passieren würde, wenn in Polen eine schwere Wirtschaftskrise
ausbräche und die Zahl der Arbeitslosen anwüchse, so daß sie nicht
wie zur Zeit 1,7 Millionen betrüge, sondern zum Beispiel 5
Millionen? Wenn es um die Vorwürfe gegen Balcerowicz geht, so
erinnere ich daran, daß man in Polen dazu neigt, jeden, der einem
nicht gefällt, als Juden zu bezeichnen - völlig unabhängig von
seiner Herkunft. So werden zum Beispiel auch Ryszard Bender, Antoni
Macierewicz oder Stefan Niesiolowski zu Juden erklärt. Den deutschen
Zuhörern werden diese Namen nichts sagen, aber es handelt sich um
führende Politiker der Christlich-Nationalen Vereinigung. Ryszard
Bender zum Beispiel gehört sogar der Gruppe Polnische Familie
(Rodzina Polska) an, einer extrem traditionell orientierten
Gruppierung, die eng mit Radio Maryja
verbunden ist. Für einen Herrn Leszek Bubel wird auch er plötzlich
zum Juden. |
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Ein weiteres sehr ernstzunehmendes Phänomen
haben wir noch kaum erwähnt, nämlich den Rundfunksender Radio Maryja mit seinen 5 Millionen Hörern.
Radio Maryja ist strikt antiliberal, hat
auch antisemitische Akzente, die er aber auf eher versteckte und
perfide Weise verkündet. Der Antisemitismus wird nämlich nicht als
die Meinung des Senders, sondern als die seiner Hörer ausgegeben.
Als es vor zwei Jahren in Polen ein großes Hochwasser gab, hörte ich
zufällig, wie ein Hörer in einer Sendung fragte, ob die Juden für
das Hochwasser verantwortlich wären. Darauf antwortete der
Moderator, das sei eine sehr interessante Frage. |
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Zu der Wählerschaft der Christlich-Nationalen
Vereinigung: Sie setzt sich aus sehr unterschiedlichen Gruppen mit
sehr unterschiedlichen Einstellungen zusammen. Die wichtigste
Aussage dieser Partei ist die, daß sie eine katholische Partei ist,
die den in Polen sehr starken Katholizismus repräsentiert. Das ist
meiner Meinung nach die Grundlage für die Stärke dieser Partei. Sie
appelliert natürlich auch an nationale Traditionen und zieht damit
Leute an, die sich zu den marginalen nationalistischen Vereinigungen
bekennen. Für diese Personen ist die Christlich-Nationale
Vereinigung einfach die Wahl des kleineren übels. Herr Minister
Bräutigam fragte, welchen Einfluß diese Gruppierungen auf die
Gesellschaft haben. Der Einfluß derer, die sich direkt auf den
polnischen Nationalismus der Vorkriegszeit berufen, ist sehr klein.
Die Christlich-Nationale Vereinigung hingegen ist eine bedeutende
Größe im Sejm, die zur Zeit einige Dutzend Abgeordnete stellt.
Kürzlich kam es in dieser Partei zu einer Spaltung, da ihr extremer
Flügel sich weigerte, eine Koalition mit der Freiheitsunion, die in
Polen den Liberalismus und demokratische Grundsätze repräsentiert,
einzugehen. Sie gründeten eine eigene Partei, die jetzt eng mit dem
schon erwähnten Rundfunksender Radio
Maryja zusammenarbeitet bzw. ihm nahe steht. Die Dinge sind
ständig im Fluß. Sehr schwierig ist es, bestimmte Prognosen für die
Zukunft abzugeben. Wenn die ökonomische Entwicklung in Polen positiv
verläuft, werden diese Parteien meiner Meinung nach keine größere
Rolle spielen. Gibt es jedoch eine Wirtschaftskrise, wird ihr
Einfluß wachsen. Besser ist es also, diese Parteien zu bekämpfen,
wenn sie noch schwach sind, als zu warten, bis sie schon zu stark
sind, schon zu viele Anhänger haben, um wirksam bekämpft werden zu
können. Daher sollte man schon jetzt entschieden gegen sie
vorgehen. |
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Pawel Spiewak hat mir einige sehr schwierige
Fragen gestellt. Zunächst, ob die PPS zur Verbreitung von Gewalt
beiträgt. Ich denke, jede physische Attacke auf einen politischen
Gegner ist zu verurteilen. Daran gibt es keinen Zweifel, ganz egal
ob diese Attacke von links oder rechts kommt. Daher ist mir bei
diesem Vorfall auf dem Flughafen, um es euphemistisch auszudrücken,
nicht wohl zu Mute. Darüber hinaus hat Pawel Spiewak die sehr
wichtige Frage angeschnitten, in welchem Umfang in Polen
populistische Parteien aktiv sind. Leider habe ich jetzt nicht
genügend Zeit, ausführlich darauf einzugehen. Die Partei von Andrzej
Lepper ist eine solche ausgesprochen populistische Partei mit
starken antidemokratischen Zügen. Lepper arbeitet nicht nur mit der
Partei von Ikonowicz zusammen, der kein so bedeutender Politiker in
Polen ist, sondern - was meines Erachtens sehr viel ernster zu
nehmen ist - auch mit der SLD, auf deren 1. Mai-Demonstration Lepper
war. Lepper stellt generell das demokratische Wesen unseres Staates
durch sein undemokratisches Verhalten in Frage, und unser Staat ist
so schwach, daß er dieses Verhalten toleriert. Zur Zeit sind
gerichtlich einige Dutzend Verfahren gegen Lepper anhängig, aber
jedes Gericht fürchtet sich, entschieden gegen ihn vorzugehen.
Bedrohlich daran ist, daß damit das Recht und somit der gesamte
demokratische Charakter des Gemeinwesens in Frage gestellt
werden. |
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