Projekt für Fremdsprachen startet in Cottbus und Guben

Kerstin Singer

Erstmals Polnisch und Englisch ab der 1. Klasse. Polnisch an brandenburgischen Grundschulen? Das ist gibt es doch schon,

werden viele Eltern sagen. Doch bislang fand die Nachbarsprache meist in freiwilliger Form statt und nicht als systematischer Fremdsprachenunterricht.von Kerstin Singer

Das soll sich zum neuen Schuljahr ändern. Ein Modellprojekt ermöglicht Grundschulen in der Grenzregion, Englisch und Polnisch gleichzeitig ab der ersten Klasse zu unterrichten. «Prinzipiell war es zwar bisher schon möglich, als erste Fremdsprache Polnisch zu wählen, aber das haben viele Eltern nicht gemacht. Denn das hätte zur Folge gehabt, dass die Kinder erst in der siebten Klasse mit Englisch hätten beginnen können» , erklärt Ruth Hennig von der deutsch-polnischen Gesellschaft Brandenburg (DPG). Deshalb blieb es an vielen Schulen bei einer polnischen Arbeitsgemeinschaft, meist im Rahmen des Begegnungsprojektes «Spotkanie» . Die Konkurrenz beider Sprachen will das durch den DPG initiierte Modellprojekt abschaffen. Ruth Hennig setzte sich in Gesprächen mit dem Potsdamer Bildungsministerium für einen gemeinsamen Start mit Polnisch und Englisch ein.

Als Erste erklärte sich die Grundschule Mitte in Frankfurt (Oder) bereit, an dem Modellprojekt teilzunehmen, inzwischen wollen auch andere Schulen aus der Grenzregion mitmachen. Die Regine Hildebrand- und die Nevoigt-Grundschule aus Cottbus werden dabei sein, auch die Corona-Schröter-Grundschule in Guben will sich anschließen. «Wir haben alle Eltern angeschrieben und gefragt, ob sie damit einverstanden sind. Die Reaktionen sind sehr positiv» , berichtet Direktorin Dagmar Ploke von der Corona-Schröter-Grundschule. Die Gubener Friedensschule hat sich noch nicht entschieden.

Integriert ins Ganztagesangebot

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, werden an ihrer Schule ab Herbst Polnisch und Englisch in der ersten und zweiten Klasse eine Stunde pro Woche als Begegnungssprache, das heißt eher spielerisch und ohne Noten, und ab der dritten Klasse als Fremdsprachen mit jeweils drei Stunden pro Woche unterrichtet. Das Bildungsministerium hat grünes Licht für die zusätzlichen Unterrichtsstunden gegeben. «Bei uns werden die Kinder trotzdem nicht länger in der Schule bleiben müssen. Wir wollen den Unterricht in unser Ganztagesangebot integrieren» , berichtet Lothar Nagel, Direktor der Regine-Hildebrand-Grundschule in Cottbus.

An seiner Europaschule gibt es bereits eine Klasse, die mit beiden Fremdsprachen gleichzeitig begonnen hat. «Wir haben gute Erfahrung damit gemacht und viele Vorbehalte bei den Eltern abgebaut» , erklärt er. Eine Überforderung der Kinder konnte er nicht beobachten. «Sie lernen die Sprachen ganz spielerisch nebenbei. Die Lehrer werden mit ,Guten Morgen’, ,Dzień dobry’ und ,’Good Morning begrüßt.»

Wissenschaftliche Begleitung

Experten betonen immer wieder, dass die Fähigkeit Sprachen zu lernen, bereits ab dem vierten Lebensjahr wieder abnimmt. Trotzdem setzt der Fremdsprachenunterricht in Deutschland erst viel später ein. Auch der Start mit zwei Sprachen ist noch ungewöhnlich. Nach Informationen des Pädagogischen Landesinstituts existiert im gesamten Bundesgebiet kein vergleichbares Projekt. «Es fehlen auch die passenden Lehrmaterialien für Polnisch. Bislang gibt es nur für die dritte Klasse den Stoff von Janusz Wisniowski» , erklärt Rosemarie Beck vom Pädagogischen Landesinstitut.

Da das Modell einmalig ist, soll es eventuell von Wissenschaftlern der Universität Potsdam begleitet werden. Doch es gibt drängendere Probleme, vieles ist noch nicht geklärt. Den meisten Schulen fehlen Polnischlehrer für das erweiterte Angebot. Doch die deutsch-polnische Gesellschaft hat ihre Unterstützung zugesagt. «Wir hoffen auch, dass die Universität Potsdam jetzt mehr Gründe hat, Polnischlehrer auszubilden und Grundschullehrer für das Fach zu qualifizieren» , sagt Ruth Hennig.